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Salad eating healthy woman at restaurant in Hawaii

WDEIA – Eine Form der Weizenallergie

WDEIA ist die Abkürzung für einen etwas sperrigen Begriff: „Wheat dependent exercise induced anaphylaxis“. Auf Deutsch bedeutet das: Weizen-abhängige anstrengungsinduzierte. Anaphylaxie. Also eine Weizenallergie, die im Zusammenhang mit Anstrengung auftritt.

Die Störung ist ernst zu nehmen, denn die Symptome sind belastend für den Betroffenen:

• Asthmaanfall
• Atemnot
• Bauchschmerzen
• Blähungen
• Durchfall
• Erschöpfung
• Konzentrationsstörungen
• Kopfschmerzen
• Muskelschmerzen
• Neuropathie (Störung der Nerven: Kribbeln, Schmerzen, Taubheitsgefühl)

Diese Symptome sind sehr unangenehm, doch es kann noch schlimmer kommen.

Der anaphylaktische Schock

Tritt ein anaphylaktischer Schock ein, müssen Umstehende aufmerksam und schnell reagieren. In der ersten Phase des Schocks treten Schwellungen und Rötungen der Haut auf. Der Patient sollte nicht allein gelassen werden und sein Zustand sollte aufmerksam beobachtet werden.

Verschlechtert sich das Befinden des Betroffenen, muss der Notarzt gerufen werden. Folgende Symptome zeigen die Verschlechterung an:

• Angst
• Atemnot
• Erbrechen
• Heiserkeit
• Kopfschmerzen
• Panikgefühle
• Schluckbeschwerden
• Übelkeit
• Unruhe
• Kreislaufbeschwerden
• veränderter Puls
• jede Verschlechterung des Befindens

Der Patient sollte in Schocklage gebracht werden. Das heißt, er wird so gelegt, dass die Beine höher als der Kopf liegen.

Der Notarzt entscheidet dann, welche Behandlung notwendig ist. Möglicherweise wird er dem Patienten eine Spritze mit Adrenalin geben, damit sich die Blutgefäße verengen und die Schleimhäute abschwellen.

Spätestens nach so einem Vorfall wird die Spurensuche nach dem Auslöser eingeleitet. Doch eine WDEIA ist gar nicht so leicht zu diagnostizieren und erfordert sorgfältige Detektivarbeit.

WDEIA versteckt sich

Die WDEIA hat gegenüber anderen Unverträglichkeiten eine Besonderheit: Die Symptome treten erst auf, wenn Verstärker, so genannte „Trigger“ hinzukommen:
Der häufigste Trigger ist körperliche Anstrengung. Betroffen sind viele Personen, die 30 Minuten bis 2 Stunden körperlich aktiv sind. Zum Beispiel:

• Sportler, die nach einer weizenhaltigen Mahlzeit trainieren.
• Kinder, die nach dem Pausenbrot Sportunterricht haben.
• Hausfrauen, die nach der Mahlzeit ihre Hausarbeit wieder aufnehmen.

Bei manchen Betroffenen reicht schon leichte körperliche Aktivität aus, wie zum Beispiel ein Spaziergang. Andere klagen erst über Symptome, wenn sie sich stärker anstrengen, zum Beispiel tanzen oder joggen. In allen Fällen sorgt die Aktivität dafür, dass der ph-Wert des Magens herabgesetzt wird und Eiweiße schneller gelöst und ins Blut geleitet werden. Das bedeutet: je mehr Magensäure vorhanden ist, umso schneller wird die Nahrung verdaut und umso schneller treten allergische Symptome auf.

Die Einnahme von Medikamenten gegen Sodbrennen aus der Gruppe der Säureblocker verzögert die Verdauung, so dass die Symptome erst später auftreten.

Ein Betroffener kann also ganz unterschiedlich reagieren und auch die Beschwerdebilder verschiedener Patienten weichen voneinander ab. So können die Symptome vereinzelt sogar erst sechs Stunden nach der Mahlzeit auftreten. Körperliche Anstrengung ist der bekannteste Auslöser von WDEIA. Doch es gibt noch andere Trigger.

Wodurch wird WDEIA noch ausgelöst?

Es gibt noch weitere Faktoren, die in Verbindung mit dem Verzehr von Weizen Beschwerden auslösen. Das macht die Situation für die Betroffenen noch schwerer. Als Auslöser kommen in Frage:

• Alkohol
• Erkältungen
• Hormonelle Faktoren wie Menstruation oder Wechseljahre
• Schmerzmittel: Nichtsteroidale Antiphlogistika, also Schmerzmittel wie
ASS, Diclofenac oder Ibuprofen
• Stress

WDEIA ist deshalb eine Form der Summationsanaphylaxie. Das bedeutet, dass mehr als ein Auslöser für die Allergie entscheidend sind. Die Diagnose von WDEIA ist oft das Ergebnis sorgfältiger Detektivarbeit.

Der Nachweis von WDEIA

Hat das ausführliche Gespräch mit dem Arzt den Verdacht auf WDEIA ergeben, kann ein Prick-Test die Bestätigung liefern. Der Prick-Test ist ein einfacher Hauttest und wird in diesem Fall mit Weizenmehl durchgeführt. Rötet sich die Haut und schwillt an, ist das ein Beleg für eine Weizenallergie. Doch die WDEIA ist damit noch nicht klar festgestellt. Deshalb folgt ein Bluttest.

Das Blut des Patienten wird auf Antikörper gegen Omega-5-Gladilin getestet, das Hauptallergen bei WDEIA. Das Weizenprotein Omega-5-Gladilin ist ein Bestandteil von Gluten, auch als Klebereiweiß bekannt.

Möglicherweise empfiehlt der Arzt noch einen Provokationstest im Krankenhaus. Dabei verzehrt der Patient Weizenprodukte und setzt sich anschließend einem Trigger aus, zum Beispiel einem Training auf dem Ergometer. Diesen Versuch sollte man jedoch nicht selbst vornehmen, denn es besteht die Gefahr, dass ein anaphylaktischer Schock eintritt.

Haben die Tests ergeben, dass eine WDEIA vorliegt, stellt sich die Frage: Welche Therapie steht zur Verfügung?

Die Therapie von WDEIA

WDEIA ist noch nicht so gut erforscht wie andere Allergien und Unverträglichkeiten. Deshalb lässt sich noch nicht sagen, ob die Diagnose lebenslang bestehen bleibt.

Bisher gibt es keine Therapie, die am Auslöser der Allergie ansetzt. Die Unverträglichkeit des Weizenproteins Omega-5-Gladilin muss deshalb bei der Gestaltung des Speiseplans berücksichtigt werden.

Produkte mit Weizen und Dinkel sollten seltener verzehrt werden, an ihre Stelle treten Buchweizen, Amaranth oder Gerste.

Manche Patienten entmultidigest kleinwickeln auch eine Kreuzallergie. Das bedeutet, dass sie außer auf Weizenprodukte auch auf andere Allergene reagieren. In diesem Fall sind auch Gerste und Roggen ausgeschlossen. Eine individuelle Untersuchung und Beratung helfen dabei, den eigenen Speiseplan zu gestalten. Nur in seltenen Fällen wird der Arzt zu einer glutenfreien Ernährung raten müssen.

Gerade dann ist es wichtig, auf ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen zu achten.

Von WDEIA Betroffene lernen mit der Zeit, sich aufmerksam selbst zu beobachten. Sie müssen nicht auf Sport verzichten, sondern nur den besten Zeitpunkt dafür finden.  Besonders bei Infekten, Stress oder vor dem Sport werden sie den Weizenverzehr einschränken. Frauen beachten noch den Einfluss ihrer Menstruation.

Es gibt verschiedene Schweregrade von WDEIA. Viele Betroffene führen ein beschwerdefreies Leben und ihr Notfallset bleibt ungenutzt in ihrer Tasche.

Die Forschung wird zur WDEIA in den nächsten Jahren sicher noch viele neue Erkenntnisse erlangen.

Bildnachweis: (C) Maridav – Fotolia

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