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7 Ärzte, 6 Fehldiagnosen!

Es war Dezember 2000. Ich hatte jede Menge Bier getrunken. Am Morgen danach hatte ich dann, wie gewohnt, Unregelmäßigkeiten in der Verdauung. Dumm war nur, dass diese nicht mehr weg gingen. Nach einer Woche ging ich zum Arzt, der mich beschwichtigte und eine gestörte Fettverdauung diagnostizierte; er riet mir, mich ein bisserl vorsichtiger zu ernähren. Weihnachten und Silvester wurde es leider auch nicht besser. Ich litt an starken Blähungen verbunden mit Unwohlsein. Dazu kam von Fall zu Fall eine reduzierte Leistungsfähigkeit und eine Mattigkeit. Arzt Nr. 2 riet mir als dann, es mit Artischockensaft zu probieren (privat käuflich im Reformhaus). Natürlich änderte der Saft auch nichts an meiner Situation.

Gut einen Monat später, wenige Wochen vor meinen Uni-Klausuren, wurde dann blind auf Candida Albicans, also Darmpilz, diagnostiziert (Arzt Nr. 3). Ich bewaffnete mich voller Hoffnung mit einem Fachbuch, diversen Rezepten und mied streng kurzfristige Kohlenhydrate, also den ganz normalen Zucker, den man in nahezu jedem Nahrungsmittel findet. Natürlich ging das stark auf mein Budget; man denke an die Reformhauspreise! Um die Wirkung der Kur zu verbessern, wurde mir (Fachbuch und Ärztin) wärmstens empfohlen, extra Milchzucker zu mir zu nehmen. Ich kaufte mir also Milchzucker in Pulverform und verabreichte mir diesen täglich löffelweise, um so den vermeintlichen Darmpilz zu vertreiben. D

er Darmstress war zwischenzeitlich so stark geworden, dass ich zeitweise mehrere Stunden täglich zusätzlich im Bett lag, da ich zu anderen Aktivitäten (Buch lesen oder manchmal auch Fernsehgucken) nicht fähig war (Nur schade, dass darunter meine Klausurvorbereitungen gelitten haben). Nach ein paar Wochen machte ich nun einen weiteren Anlauf. Auf Empfehlung von Bekannten wand ich mich an die diagnostische Tagesklinik in Wiesbaden zu einem Experten. In einem zweitägigen Check-up wurde nun erstmals (April 2001) Laktose-Intoleranz diagnostiziert. Der Milchzucker ist also der Übeltäter und ist von nun an zu meiden. Endlich konnte ich wieder Zucker zu mir nehmen!

Bald wird sicher alles gut, dachte damals mal wieder. Durch das Absetzen dieser unsinnigen Darmpilz-Kur verbesserte sich mein Zustand ruckartig. Ich mied nun jeglichen Milchzucker. Die Beschwerden wollten aber einfach nicht aufhören. Die schöne Sommerzeit mit ihren Biergärten und den Studentenpartys strich an mir vorbei. Nun ließ ich mich von meinem Hausarzt (Nr. 5) zwecks Darmspiegelung zu einem „Spezialisten“, Gastroenterologen, überweisen. Der machte brav seinen Job und stellte fest, dass alles in bester Ordnung sei. Auf meine Frage hin, was ich den tun soll, lächelte er mich auf dem Gang nur an und riet mir, den Stress zu reduzieren (ich hatte Semesterferien und mein einziger Stress war mein Darmstress) und auf meine Ernährung zu achten.

Was tun? Diesen Herbst suchte ich nun wieder einen Gastroenterologen auf. Man hatte mir zuvor telefonisch empfohlen, mich auf weitere Unverträglichkeiten bzw. Allergien untersuchen zu lassen, eine Ernährungsberatung in Anspruch zu nehmen und evtl. eine
Therapie mit langfristigen Medikamenteneinsatz. Dieser „Spezialist“ (Arzt Nr. 7) musste natürlich erst mal eine Ultraschalluntersuchung durchführen, obwohl ich ihm geschildert habe, dass bereits zwei Ultraschalluntersuchungen durchgeführt wurden, und, obwohl ihm die Befunde der bereits durchgeführten Untersuchungen vorlagen. Fazit dieser „Beratung“ war, dass ich keine Ernährungsberatung benötige, dass er kein Enzym verschreiben dürfe, und, dass er eigentlich nicht weiter wüsste (Um diese Antwort zu bekommen, musste ich dreimal antanzen und jeweils eine Stunde warten).

Ich weiß, dass mein Zustand aktuell nicht akzeptabel ist: Als Student hat kann man in einem gewissen Rahmen seine Essenzeiten und die Art des Essens selbst bestimmen. Bei normaler Berufstätigkeit aber stellen meine Darmbeschwerden (LI) eine ernsthafte Behinderung dar. Meine Leistungsfähigkeit, trotz viermal Sport die Woche, liegt weit unter dem Niveau des Zustandes vor dem Dezember 2000. Es fällt mir schwer, neben dem Studium noch weitere Energie (Freunde, abends weggehen) zu mobilisieren. Ich werde nun weitere Untersuchungen durchführen lassen (Nr. 8, Nr. 9 …), in der Hoffnung, dass mir so vielleicht doch jemand weiterhelfen kann.

Bedenklich finde ich die Inkompetenz auf Seiten der Ärzte, der vermeintlichen Spezialisten: Auf der einen Seite wird gespart, in dem bestimmte Medikamente nicht mehr übernommen werden, auf der anderen Seite wurden zig Stunden Diagnose, Beratung etc. durchgeführt, diverse Medikamente verschrieben, Stunden im Wartezimmer abgehockt und Fahrtkosten bezahlt, nur um einen Diagnoseerfolg zu erzielen: Laktose Intoleranz positiv.

anonym

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