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Wie wichtig ist Milch für die Ernährung?

 

Milch gehört in Mitteleuropa wie selbstverständlich in einen ausgewogenen, gesunden Speiseplan. Nicht zuletzt deshalb stehen Menschen mit einer Laktoseintoleranz vor mehreren Herausforderungen. Sie fragen sich: Muss ich Mangelerscheinungen befürchten, wenn ich auf Milch größtenteils verzichte? Wie wird sich die Ernährungsumstellung auf Knochen und Zähne auswirken?
Um diese und andere Fragen zu beantworten, ist es sinnvoll, sich (Kuh)Milch als Nahrungsmittel einmal genauer anzuschauen.

Was ist Milch und was enthält sie?

Milch wird in den Drüsen der weiblichen Säugetiere gebildet. Sie dient der Ernährung der gerade geborenen Nachkommen. Die Milchproduktion hält so lange an, wie das Junge gesäugt wird. Geht es zu fester Nahrung über, versiegt der Milchfluss.

Schon vor 12.000 Jahren begannen die Menschen, Kühe zu halten. Besonders in den dunklen Jahreszeiten war die von ihnen gewonnene Milch eine wichtige Eiweißquelle, die das Überleben sicherte. So setzte sich eine Genmutation durch: Immer mehr Menschen produzierten in ihrem Dünndarm das Enzym Laktase, um Milch zu verdauen.

Längst ist Milch ein industriell hergestelltes Produkt geworden. Milchverarbeitende Betriebe in Deutschland sind seit den 1960-er Jahren diejenigen mit den höchsten Umsätzen.

Kühe werden nach dem Kalben zweimal täglich gemolken. So wird der Milchfluss bis zu etwa 300 Tage lang aufrecht erhalten.

Die Zusammensetzung der Milch ist so beschaffen, wie sie für die Entwicklung der Jungtiere am besten ist. Kuhmilch liefert also alles, was ein Kalb nach seiner Geburt zum Wachsen und Gedeihen braucht.

Milch von Kühen enthält:

• Wasser: 87 %
• Laktose (Milchzucker): 4,9 %
• Neuralfette (Palmitin, Stearin, Olein): 3,7 %
• Eiweiß: 3,6 %
• Mineralstoffe (z.B. Calzium, Eisen, Natrium, Kalium, Magnesium): 0,8 %
• Vitamine: 0,6 % (A, D, E, K, B1, B2, B6, B12, C, H, Nikotinsäureamid, Pantothenssäure)`

Diese Aufzählung lässt vermuten, dass Milch auch noch heute ein wertvolles Nahrungsmittel ist. Drohen wirklich Mangelerscheinungen, wenn Menschen auf den Verzehr von Milch und Milchprodukten verzichten?

Ist Milch lebenswichtig?

88 Prozent der Deutschen glauben, das Milch unverzichtbar für eine gesunde Ernährung ist.
Begründet ist das durch die Prägung in der Kindheit. Es gibt wohl kaum einen Erwachsenen, dem nicht als Kind regelmäßig Milch angeboten wurde.

Vor Jahrtausenden trug die Milch bei einem Teil der Menschen zum Überleben bei. Das kann doch heute nicht falsch sein?

Milch „macht munter“, ist „gut für die Knochen“ und überhaupt wichtig zum Wachsen und Gedeihen. Der Mensch ist übrigens das einzige Lebewesen, das die Milch einer anderen Spezies zu sich nimmt. Auch mit dem Milchverzehr über die Babyzeit hinaus bildet der Mensch eine Ausnahme zwischen allen anderen Säugetieren.

Genau diese Tatsachen werden von Milchkritikern ins Feld geführt. Hinzu kommt, dass die Milch vielfach behandelt wird: Gefiltert, pasteurisiert, ultrahocherhitzt und homogenisiert kommt sie in die Gläser und Töpfe. Es leuchtet ein, dass nach den verschiedenen Verarbeitungsprozessen der Gehalt an Vitaminen und Mineralien um einiges verringert ist.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Belastung der Milch: Pestizide im verfütterten Gras, Antibiotika zur Gesunderhaltung der Kuh und Hormone zur Steigerung der Milchleistung sind Stoffe, die auf die Milch übergehen.

Doch unabhängig von diesen Kritikpunkten wären da noch die vielen Menschen, die Milch nicht verdauen können, weil ihr Dünndarm das Enzym Laktase nicht oder nur in geringer Menge produziert. Das sind in Deutschland mittlerweile etwa 15 Prozent. Weltweit sind es 75 Prozent.

Würde stimmen, was die meisten Deutschen noch heute glauben, müssten alle diese Menschen an Mangelerkrankungen leiden. Doch das ist nicht der Fall. Würde Milch vor Osteoporose schützen, müsste diese Erkrankung in Asien deutlich häufiger auftreten als in Deutschland. Doch das Gegenteil ist der Fall: Obwohl nur 6 Prozent der Menschen in Asien überhaupt Milch vertragen, sind ihre Knochen in einem besseren Zustand als die der Deutschen.

Milch ist also bestenfalls ein wertvoller, jedoch kein notwendiger Bestandteil der Ernährung. Doch was ist mit dem Calcium für die Knochen?

Gesunde Knochen: Ohne Milch?

Es ist richtig, dass Kalzium ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen, vollwertigen Ernährung ist. Doch das Kalzium muss nicht unbedingt aus Milchprodukten stammen.

Diese Nahrungsmittel enthalten Kalzium, das gut vom Körper verwertet werden kann (je 100 g):

• Aubergine: 9 mg
• Brokkoli: mind. 65 mg
• Fenchel: 100 mg
• Getreide: je nach Sorte: 15 bis 79 mg
• Grünkohl mind. 110 mg
• Haselnüsse: 225 mg
• Kresse: mind. 81 mg
• Linsen: 75 mg
• Mandeln: mind. 264 mg
• Mineralwasser: je nach Sorte 2 bis 500 mg / 1 Liter
• Nüsse je nach Sorte: 30 bis 130 mg
• Porree: 90 mg
• Sesam: 800 mg
• Sonnenblumenkerne: 100 mg
• Spinat: mind. 105 mg
• Walnüsse: 70 mg

Der Tagesbedarf eines Erwachsenen an Kalzium liegt bei 1000 mg. Bei Jugendlichen, Alkoholkranken und Leistungssportlern liegt der Kalziumbedarf etwas höher. Dasselbe gilt für Patienten, die Cortisonpräparate einnehmen müssen.

Damit der Mineralstoffwechsel im Gleichgewicht ist und der Körper das Calcium gut annehmen kann, sollten einige Zusammenhänge beachtet werden.

Vitamin D für gesunde Knochen

Eine wichtige Voraussetzung für die Verwertung von Calcium ist das Vitamin D. Es ist eigentlich kein Vitamin, sondern die Vorstufe eines Hormons. Doch der Volksmund bezeichnet es als „Knochenvitamin“, und das mit gutem Grund: Vitamin D ist die Voraussetzung dafür, dass Kalzium in die Knochen eingelagert werden kann.

multidigest kleinVitamin D muss nicht zugeführt werden, denn der Körper kann es selbst bilden. Dafür ist allerdings Sonnenlicht nötig. Bei Menschen, die sich häufig draußen aufhalten, bildet die Haut 80 bis 90 Prozent der benötigten Menge an Vitamin D.

Über den Bedarf an Vitamin D gibt es verschiedene Angaben. Ebenso weichen Aussagen über die benötigte Sonneneinstrahlung voneinander ab.
Wer sich mehrmals wöchentlich für mindestens 30 Minuten im Freien aufhält, produziert wahrscheinlich schon einen größeren Anteil der benötigten Menge Vitamin D. Durch Bewegung wird dieser Effekt noch gesteigert.

Auch über die Nahrung kann der Organismus Vitamin D aufnehmen. Dieser Weg spielt zwar eine kleinere Rolle, ist jedoch trotzdem beachtenswert:

• 1 Ei: 1,25 μg
• 100 g Gramm Hering: 20 μg / 100 g
• 100 Gramm Pilze: 3 μg / 100 g
• 100 Gramm Avocado: 3 μg / 100 g
• 100 Gramm Rinderleber: 2 μg / 100 g
• Hering:26,0 μg/100g
• Lachs: 16,3 μg/100g
• Sardinen: 10,3 μg/100g

Milch und Knochen

Es ist also keineswegs so, dass der Verzicht auf Milch ein höheres Risiko für Osteoporose und andere Mangelerkrankungen bedeutet. Wer sich vielseitig und gesund ernährt, regelmäßig Sonnenlicht tankt und sich dabei bewegt, stärkt damit seine Knochen und beugt Mangelerscheinungen und daraus folgenden Erkrankungen vor.

Bildnachweis: © Teamarbeit, Fotolia

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